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Primate Pookie härten empfindsamen Rock

Die Band Primate Pookie aus Hannover und Celle hat es amtlich: Sie sind seit Emergenza 2001 "Europas beste Nachwuchs-Liveband". Und stellen gerade die Weichen für eine große Zukunft.

VON MATTHIAS HALBIG

Konfirmandenfreizeit 1996. Anna Ratsch-Heitmann kommt an einem Zimmer vorbei, in dem ein Junge "Sympathy for the devil" auf einer Akustikgitarre spielt. Sie setzt sich dazu und gemeinsam singt sie sich mit Felix Butzlaff durch große Songs der 60er und 70er Jahre. Zwei Vierzehnjährige in der Blütezeit von Techno und Trance bei handgemachter Musik. "Bei mir kam das mit Stones und Beatles, Janis Joplin und Melanie von meinen Eltern", sagt die Sängerin der hannoversch-cellischen Band Primate Pookie. "Aber sonst hat das damals bei uns auf dem Dorf, in Bröckel, niemand gehört."

Es war die Stunde null von Primate Pookie, der Band mit dem plötzlichen Namen: "Wir hatten unser erstes Konzert, und uns noch keinen einzigen Gedanken darüber gemacht, wie wir uns nun nennen wollen. Der Veranstalter rief an wegen der Plakate und da hat Felix eben Primate Pookie gesagt. Fiel ihm so ein, Pookie war sein Spitzname für mich."

Heute sind Primate Pookie wer. Sechs Leute mit einer eigenwilligen und mitreißenden Mixtur aus Folk, Amerikana, lateinamerikanischen Rhythmen, Rock und Klezmer. Im Vorjahr waren sie damit die einzigen deutschen Sieger beim großen europäischen Rocknachwuchs-Festival Emergenza. In der Endausscheidung im Taubertal wurden sie zur "besten Liveband" gekürt.

Noch bewegender war für Anna zuvor der Niedersachsensieg im Capitol. "Einer der schönsten Tage in meinem Leben", erinnert sie sich. "Da krieg ich heute noch Gänsehaut. Ich hatte das Gefühl: Jetzt kommt was anderes, jetzt beginnt was Neues."

Die Musik der Band entsteht im Probenraum, die Ideen werden von den sechs Bandmitgliedern verknüpft, die Lyrik liegt in den Händen von Anna und Felix. "Das muss so sein, denn alles an unserer Musik ist Gefühl", sagt Anna. "Da kann man nicht einfach irgendetwas singen. Ich öffne mich sehr bei unseren Auftritten, fühle mich da auch sehr verletzbar."

Das Empfindsame ist das große Plus der Band: keine Reproduktion, keine aufgesetzte Pose, keine Simulation. Echtheit ganz und gar. Musik, die wieder und wieder durchlebt wird. Und "Sympathy for the devil" spielen sie bis heute. Als Zugabe.

Momentan härten sie ihren Sound in Richtung Rock und bewerben sich. "Diesmal bei kleineren Plattenfirmen. Den Großen sind wir zu schwierig. Sie wissen nicht, welchen Personenkreis sie mit uns ansprechen sollen", sagt Anna und lacht. Vielfalt also als Stärke und Risiko zugleich. Zaubern geht nicht, zaudern aber gilt nicht. "Es ist nicht meine Art zu warten, bis jemand an unsere Tür klopft", sagt Anna. "Unternehmen wir also besser selbst was."

(→ Neue Presse)